Smart Forge 4.0 – wie Industrie 4.0 und KI Schmiedequalität und Nachhaltigkeit verbessern
- vor 4 Tagen
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Industrie 4.0 verändert die Arbeitsweise von Fabriken. In der Schmiede verbindet sie traditionelles Metallhandwerk mit Sensorik, Daten und künstlicher Intelligenz. Dieser Artikel erklärt, was eine „smarte Schmiede“ ausmacht, wie Smart Forge 4.0 in der Praxis funktioniert und welche Vorteile Kunden durch digital gesteuerte Schmiedeprozesse erhalten.

1. Was Industrie 4.0 im Schmieden bedeutet
Industrie 4.0 steht für vernetzte, intelligente Produktion. Sie kombiniert:
IoT-Sensorik (Internet of Things) an Maschinen
Künstliche Intelligenz (KI) zur Prozessüberwachung und Regelung
Cloud-Computing und Datenanalyse
Echtzeitkommunikation zwischen Systemen
In der Schmiede heißt das: Jeder Schlag, jede Temperatur und jeder Energieimpuls kann überwacht, gespeichert und ausgewertet werden.
Der Begriff entstand in Deutschland um 2011. Heute ist Industrie 4.0 ein zentraler Baustein der europäischen Industriepolitik, mit starkem Fokus auf effiziente und nachhaltige Produktion.
2. Smart Forge 4.0 – von der klassischen Schmiede zur Smart Factory
Eine moderne Smart Factory vernetzt alle relevanten Maschinen und Prozesse in einem digitalen System. Im Smart-Forge-4.0-Konzept umfasst das typischerweise:
CNC-Schmiedehammer mit 50 kJ Schlagenergie
1000-t-CNC-Schraubpresse für Aluminium-Schmiedeteile
Erwärmungsöfen mit digitaler Temperaturregelung
3D-Messsysteme mit Keyence-Optik und KI-Auswertung
ERP- und MES-Systeme zur Auftrags- und Prozessverfolgung
Das Ergebnis ist ein „lebender“ digitaler Zwilling der Fertigung, bei dem jedes Schmiedeteil mit seinen Prozessdaten verknüpft ist.
3. Digitale Rückverfolgbarkeit – jeder Schlag ist dokumentiert
In einer smarten Schmiede bleibt nichts Relevantes ungemessen.
Kernelemente der digitalen Rückverfolgbarkeit:
Jeder Hammerschlag wird aufgezeichnet (Kraft, Anzahl der Schläge)
Temperaturverläufe während der Erwärmung werden je Charge gespeichert
Bauteilwege durch Wärmebehandlung, Zerspanung und Oberflächenbehandlung werden protokolliert
3D-Messdaten werden dem jeweiligen Bauteil oder der Charge zugeordnet
Das ermöglicht:
100 % Wiederholbarkeit definierter Prozessparameter
Klare Nachweise für Qualität und Konformität
Schnelle Ursachenanalyse bei Abweichungen
Für Branchen mit strengen Qualitätsanforderungen wie Energie, E-Mobilität oder Hebetechnik ist diese Dokumentation ein echter Vorteil.
4. KI und 3D-Scanning in der Prozesskontrolle
Smart Forge 4.0 nutzt KI und moderne Optik in Entwicklung und Serie.
Typische Anwendungen:
3D-Scanning (Keyence) zur schnellen Vermessung geschmiedeter Teile
KI-basierter Vergleich der Messdaten mit CAD-Modellen
Automatische Erkennung von Abweichungen und Trends
Unterstützung bei Werkzeugoptimierung und Verschleißüberwachung
In der Praxis bedeutet das:
Werkzeugverschleiß wird erkannt, bevor er die Qualität beeinflusst
Prozessparameter lassen sich schneller anpassen
Entwicklungszeiten für neue Teile sinken
Ausschuss und Nacharbeit werden reduziert
5. Einfluss auf Lieferzeiten und Reaktionsgeschwindigkeit
Digitale Werkzeuge ändern, wie schnell eine Schmiede auf Kundenanforderungen reagieren kann.
Typische Leistungswerte in einer Smart-Forge-Umgebung:
Antwort auf technische Anfragen in unter 48 Stunden
Werkzeugfertigung in etwa 14 Tagen, in vielen Fällen branchenweit sehr schnell
Echtzeit-Überblick über Fertigungsstatus und Liefertermine
Weil Prozesse digital nachverfolgt werden, basiert die Planung auf Daten statt auf Schätzungen. Das verbessert Kommunikation und Verlässlichkeit.
6. Energieeffizienz und Umweltwirkung
Industrie 4.0 ist auch ein Werkzeug für Nachhaltigkeit.
Mit digitaler Überwachung und Optimierung kann eine Schmiede:
den Energiebedarf in Heizzyklen um rund 18 % senken
CO₂-Emissionen um etwa 25 % reduzieren, bei gleichbleibender Kapazität
Rohmaterial effizienter nutzen und Ausschuss verringern
den Umstieg auf 80 % oder mehr erneuerbaren Strom in einem definierten Zeitraum planen
Diese Maßnahmen unterstützen Umweltmanagement nach ISO 14001 und helfen Kunden, eigene Nachhaltigkeitsziele zu erreichen.
7. Was Kunden von einem smarten Schmiedepartner gewinnen
Für Einkauf, Konstruktion und Projektmanagement entstehen konkrete Vorteile:
Rückverfolgbarkeit: Jedes Teil ist mit Prozessdaten und Messprotokollen verknüpft
Stabile Qualität: KI und Sensorik erkennen Abweichungen früh, bevor sie den Kunden erreichen
Kürzere Lieferzeiten: Digitale Planung und schnelle Werkzeugentwicklung halten Projekte im Fluss
Geringeres Risiko: Transparente Prozesse und Dokumentation reduzieren technische und kaufmännische Risiken
Unterstützung in der Entwicklung: Simulation, 3D-Scanning und KI-Analyse optimieren Geometrie und Werkzeug
Damit wird die Schmiede vom reinen Lieferanten zum technischen Partner.
8. Schmiedelieferanten im Industrie-4.0-Zeitalter bewerten
Beim Vergleich von Schmiedepartnern sollten nicht nur Presskraft und Preis zählen. Sinnvolle Fragen sind:
Nutzen Sie CNC-gesteuerte Hämmer oder Pressen mit digitaler Prozessüberwachung?
Wie dokumentieren Sie Temperatur, Kräfte und Energieeintrag?
Liefern Sie 3D-Messberichte, die einer Charge oder Teilenummer zugeordnet sind?
Wie nutzen Sie KI oder Datenanalyse, um Prozesse dauerhaft zu verbessern?
Wie sind Ihre durchschnittlichen Antwortzeiten und Werkzeug-Lieferzeiten?
Wie weit sind Sie bei erneuerbarer Energie und ISO 14001?
Wer diese Fragen mit konkreten Systemen und Kennzahlen beantwortet, liefert meist verlässlicher über die Zeit.
9. Fazit
Industrie 4.0 und Smart Forge 4.0 sind keine Schlagworte. Sie beschreiben einen praktischen Ansatz für Schmieden mit mehr Daten, mehr Kontrolle und mehr Verantwortung.
Für Kunden bedeutet ein smarter Schmiedepartner:
Höhere Prozesstransparenz
Robustere und verlässlichere Bauteile
Kürzere Lieferzeiten und bessere Reaktionsfähigkeit
Kleineren CO₂-Fußabdruck, belegt durch Daten
Kurz gesagt: Digitales Schmieden senkt Risiken, verbessert Produkte und erfüllt die steigenden Anforderungen an Qualität und Nachhaltigkeit in der europäischen Industrie.



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